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Europäische Forschungsinfrastruktur zur Untersuchung von Fluss-Meer-Systemen

 

DANUBIUS-RI (engl. Research Infrastructure) ist ein langfristiges, europäisches und interdisziplinäres Forschungsinfrastruktur-vorhaben zur Untersuchung von Fluss-Meer-Systemen. Die Forschungsinfrastruktur soll es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglichen die Einzugsgebiete und Flüsse, die Übergangsgewässer wie Ästuare und Deltas sowie ihre angrenzenden Küstenmeere zusammenhängend zu erforschen. Das Ziel ist ein besseres Prozess- und Systemverständnis zu entwickeln, um bestehende und zukünftige Herausforderungen in Flüssen und ihren angrenzenden Küstenmeeren zu bewältigen, ein nachhaltiges Management zu gewährleisten und wertvolle Ökosystemdienstleistungen zu ermöglichen. Dies erfordert ein Umdenken in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, sowie die Zusammenarbeit verschiedenster Akteure über disziplinäre, regionale und nationale Grenzen hinweg und das Zusammenbringen von relevanten europäischen Umweltrichtlinien wie z. B. der Wasserrahmenrichtlinie und der Meeresstrategierahmenrichtlinie.

Fluss-Meer-Systeme werden stark durch menschliche Aktivitäten beeinflusst, wie z. B.

  • erhöhte Nährstoff- und Schadstoffeinträge u. a. durch Landwirtschaft, Industrie und Urbanisierung
  • veränderte Strömungs- und Sedimentdynamik, u. a. durch Maßnahmen zum Hochwasserschutz und zur Schiffbarmachung
  • Veränderungen durch Bau und Betrieb von Kraftwerken entlang von Flüssen und Windparks im Meer zur Energiegewinnung
  • Ausbreitung von nicht-heimischen Arten u. a. durch Schifffahrt.

Darüber hinaus sind Veränderungen infolge des Klimawandels und Auswirkungen von Extremereignissen, wie z. B. Hoch- und Niedrigwasser, zu erwarten.

 Partner aus 16 Ländern in Europa arbeiten zusammen

DANUBIUS-RI wird derzeit als verteilte Infrastruktur mit Partnern aus 16 europäischen Ländern aufgebaut. Das Forschungsinstitut GeoEcoMar in Rumänien koordiniert DANUBIUS-RI. Dort soll auch der „Hub“ und das Datenzentrum angesiedelt werden. Des Weiteren befindet sich ein Technologietransferbüro in Irland, sowie vier thematische Knoten („Nodes“) an verschiedenen Standorten in Europa, die Expertise und Infrastruktur für wissenschaftliche Kernelemente von DANUBIUS-RI bündeln: Beobachtungssysteme (Plymouth Marine Laboratory, UK), Analytik (Bundesanstalt für Gewässerkunde, Deutschland), Modellierung (Institute of Marine Sciences, Italien) und Sozio-Ökonomie von Fluss-Meer-Systemen (Deltares, Niederlande). Zur Zeit werden beispielhaft an acht Standorten („Supersites“) die folgenden Fluss-Meer-Systeme in Europa erforscht: obere, mittlere und untere Donau, Elbe, Themse, Ebro, Po und Nestos, sowie ihre jeweiligen angrenzenden Meere. Die Aufnahme von weiteren Supersites ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

 DANUBIUS-RI erhält europäisches Qualitätssiegel

Im Jahr 2016 wurde DANUBIUS-RI in die Roadmap des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (engl. ESFRI) aufgenommen. ESFRI Projekte werden aufgrund ihrer wissenschaftlichen Exzellenz und Reife ausgewählt. Die Aufnahme in die Roadmap erfolgt, um ihre strategische Bedeutung für das europäische Forschungsinfrastruktursystem zu unterstreichen und ihre zeitige Implementierung zu unterstützen.

Für die Vorbereitung von DANUBIUS-RI stehen bereits vier Millionen Euro aus dem europäischen Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 zur Verfügung (Grant Agreement No. 739562). Das Vorbereitungsprojekt DANUBIUS-PP (Preparatory Phase) startete Ende 2016 und läuft noch bis Ende 2019, um die wissenschaftlichen, organisatorischen und finanziellen Grundlagen für den Aufbau und Betrieb von DANUBIUS-RI zu schaffen. Weitere Informationen zu den Inhalten und Fortschritten in den Arbeitsgruppen von DANUBIUS-PP finden Sie hier. Die Vorbereitungs- und Implementierungsphase wird voraussichtlich 2022 abgeschlossen sein. Der operationelle Betrieb von DANUBIUS-RI ist für einen Zeitraum von über 30 Jahren geplant.

Deutschland ist mit vier Partnern vertreten 

In Deutschland beteiligen sich die Bundesanstalt für Gewässerkunde, das Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, die Bundesanstalt für Wasserbau und TERENO an DANUBIUS-RI.

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) hat sowohl die nationale Koordination, als auch die Koordination für den „Analysis Node“ von DANUBIUS-RI übernommen (Hydrologie, Hydrogeo-morphologie, Chemie, Biologie, Ökotoxikologie und Gewässerhygiene). Außerdem entwickelt die BfG im Vorbereitungsprojekt DANUBIUS-PP die Grundlagen zur Ableitung der „Principles and Commons“ für DANUBIUS-RI. Dabei handelt es sich um die gemeinsamen Prinzipien und Grundregeln, nach denen die Forschungsinfrastruktur arbeiten wird.

Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) koordiniert die Elbe-Nordsee Supersite. Für ein nachhaltiges Management von Elbe und Nordsee wird fachübergreifendes Wissen über die natürlich ablaufenden Prozesse und ihre Wechselwirkungen im gesamten Fluss-Meer-System, sowie über die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten inklusive des Klimawandels benötigt. Regionale Akteure haben die Möglichkeit, Partner oder Nutzer der Elbe-Nordsee Supersite zu werden. Des Weiteren entwickelt das HZG im Vorbereitungsprojekt DANUBIUS-PP federführend die „Science and Innovation Agenda“, d.h. die Forschungsschwerpunkte, für DANUBIUS-RI.

Zur Zeit befindet sich eine Rhein Supersite in Planung. Die Koordination dafür übernimmt die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW). Der Rhein ist ein stark wasserbaulich und wasserwirtschaftlich geprägter Fluss, an den heutzutage eine Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen gestellt werden. Daraus ergeben sich bedeutende Herausforderungen, die  ein umfassendes Prozess- und Systemverständnis erfordern. Die Supersite Rhein umfasst den freifließenden deutschen Rhein und kann das zentrale Glied einer Kette von Supersites im Rheineinzugsgebiet bilden. Mit Blick auf die Formulierung und Ausgestaltung von Untersuchungsschwerpunkten wird eine enge Vernetzung mit Akteuren und Interessierten im Rheingebiet angestrebt.

 Aktuelles

 2018

  • Dezember: Treffen des DANUBIUS-PP Lenkungsausschusses und der Generalversammlung in Cork, Irland
  • September: Treffen des DANUBIUS-PP Lenkungsausschusses und der Stakeholder in Barcelona, Spanien
  • Juni: Treffen des DANUBIUS-PP Lenkungsausschusses und der Generalversammlung in Kavala, Griechenland
  • April: Neue Session „Integrative studies of the River-Sea-Continuum“ bei der Generalversammlung der „European Geoscience Union“ (EGU) in Wien, Österreich
  • März: Treffen des DANUBIUS-PP Lenkungsausschusses, Treffen der Supersite Koordinatorinnen und Koordinatoren, sowie Workshop zu den gemeinsamen Prinzipien und Grundregeln („Commons“) von DANUBIUS-RI in Koblenz
  • März: Elbe-Nordsee Supersite Workshop mit regionalen Akteuren in Hamburg

2017

  • November: Treffen des DANUBIUS-PP Lenkungsausschusses, der Generalversammlung und des wissenschaftlich-technischen Beirats im BMVI in Berlin; Aufnahme der Bundesanstalt für Wasserbau in das Konsortium
  • Herbst: Wahl des wissenschaftlich-technischen Beirats – Dr. Deborah Chapman (University College Cork, Irland), Dr. Vanda Brotas (University of Lisbon, Portugal), Dr. Jesus Marco de Lucas (Instituto de Física de Cantabria, Spanien), Dr. Eric Wolanski (James Cook University, Australien) und Dr. Peter Heininger (ehemals Bundesanstalt für Gewässerkunde)
  • September: Treffen des DANUBIUS-PP Lenkungsausschusses in Anavyssos, Griechenland
  • Sommer: Aufnahme von DANUBIUS-RI in ENVRIplus, eine Gemeinschaft von umweltwissenschaftlichen Forschungsinfrastrukturen in Europa
  • Juli: Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 Meere und Ozeane wurde ein Expertenbeitrag über Fluss-Meer-Systeme und DANUBIUS-RI von Dr. Jana Friedrich und Sina Bold vom Institut für Küstenforschung des HZG veröffentlicht. Den Artikel können Sie hier
  • Mai/Juni: Treffen des DANUBIUS-PP Lenkungsausschusses, der Generalversammlung und der Stakeholder in Venedig, Italien. Bei dem Stakeholder Treffen waren auch Vertreter des BMBF und BMVI anwesend.
  • März: Treffen des DANUBIUS-PP Lenkungsausschusses in Stirling, Großbritannien
  • Januar: Für den TERENO-Newsletter wurde Dr. Peter Heininger von der BfG zu dem Forschungsinfrastrukturvorhaben DANUBIUS-RI interviewt. Den Artikel finden Sie hier auf Seite 8 des Newsletters.

2016

  • Dezember: Start des Vorbereitungsprojekts DANUBIUS-PP mit Auftaktveranstaltung in Bukarest, Rumänien
  • April: Die Pressemitteilungen von zwei deutschen Partnern zur Aufnahme von DANUBIUS-RI in die ESFRI Roadmap 2016 finden Sie auf der Website der BfG und des HZG.
  • März: erfolgreiche Aufnahme von DANUBIUS-RI in die ESFRI Roadmap 2016
  • Frühjahr: Die Bundesministerien BMVI, BMUB und BMBF haben die Antragsstellung für die Aufnahme von DANUBIUS-RI in die ESFRI Roadmap 2016 mit einem „Letter of Support“ unterstützt.

 

This project has received funding from the European Union's Horizon 2020 research and innovation programme under grant agreement No 739562.